Kleine Rassen
Wer sich für einen kleinen Hund interessiert, bekommt heute schnell zu hören, das sei doch alles Qualzucht. Der Satz meint es gut und trifft trotzdem daneben — weil er zwei Dinge verwechselt, die man auseinanderhalten muss: wie groß ein Hund ist und wie es ihm damit geht.
Hinter dem Vorwurf steckt eine richtige Beobachtung. Es gibt kleine Hunde, denen ihre Zucht schadet: zu kurze Schnauzen, ein zu runder Schädel, Augen, die aus dem Kopf treten, ein Körper, der zu leicht ist, um eine Geburt zu überstehen. Das sind reale Probleme, und sie kommen bei Zwergrassen vor.
Falsch wird der Satz erst durch das Wort „automatisch“. Denn er behauptet, die geringe Körpergröße sei selbst der Fehler — und damit trifft er jeden kleinen Hund gleichermaßen, den sorgfältig gezogenen wie den verantwortungslos vermehrten. Für den Käufer ist das die schlechteste aller Auskünfte: Sie erklärt ihm alles und hilft ihm bei nichts.
50.000Jahre
alt ist die Erbanlage, die für geringe Körpergröße sorgt. Sie stammt aus der Population wilder Wölfe und ist damit älter als jede Rassezucht, älter als der Hund als Haustier. Kleine Hunde sind keine Erfindung des Marktes. Was der Markt erfunden hat, ist der Wettlauf um das immer kleinere Tier.
Drei gesunde Hunde, drei Größen. Keiner von ihnen ist wegen seiner Höhe besser oder schlechter dran als die anderen. Was sie unterscheidet, ist der Maßstab — was sie verbindet, sind normale Verhältnisse innerhalb dieses Maßstabs.
Das österreichische Tierschutzgesetz führt auf, welche Erscheinungen eine Zucht zur Qualzucht machen. Es steht dort kein Gewicht und keine Widerristhöhe. Es stehen Zustände:
Jeder dieser Punkte lässt sich an einem einzelnen Hund feststellen — von einer Tierärztin oder einem Tierarzt, am lebenden Tier, schriftlich. Keiner von ihnen lässt sich aus der Rasse ableiten. Ein Chihuahua kann sie zeigen; er muss es nicht. Ein großer Hund kann sie ebenso zeigen.
Bei den kleinsten Rassen wird es an einer Stelle tatsächlich eng: Ein Körper, der zu leicht ist, kommt mit einer Trächtigkeit schwer zurecht. Deshalb steht in den Präventionsprogrammen für diese Rassen eine Untergrenze für das Gewicht von Zuchthündinnen — nicht als Schönheitsmaß, sondern als Schutz.
Das ist die Umkehrung des Vorwurfs: Nicht die Kleinheit wird bestraft, sondern die Übertreibung wird begrenzt. Ein Zuchttier, das unter dieser Grenze liegt, bekommt keine Zuchttauglichkeit — der Hund selbst darf trotzdem ein völlig normales Leben führen.
Das ist der Unterschied, um den es hier geht. Ein Merkmal kann für die Zucht ein Ausschlussgrund sein und für den einzelnen Hund völlig bedeutungslos.
Fragen Sie nicht, wie schwer der Hund wird. Fragen Sie, was an seinen Eltern untersucht wurde.
ZEUS ist ein Qualzucht-Präventionsprogramm für Züchterinnen und Züchter. Zuerst werden die Elterntiere einzeln untersucht und erhalten ihre Zuchttauglichkeit. Dann wird geprüft, ob diese beiden Tiere miteinander verpaart werden dürfen. Erst wenn beides zusammenpasst, bekommt der Welpe sein Qualzuchtpräventionszertifikat.
Damit wird aus der Größenfrage eine Befundfrage — und die lässt sich beantworten. Zu jedem Zertifikat gehört ein Kontrollcode, den Sie auf der ZEUS-Website eintippen. Für Sie kostenlos.
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